| „60 Jahre Kriegsende“ – Beitrag der Friedrich-List-Schule zur Gedenkveranstaltung des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. in der Kreisverwaltung Hildesheim am 22. April 2005 |
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Hildesheim, Frühling 1945 Konzept
Quellen
Sprecherinnen und Sprecher
Texte für die Lesung am 22. April 2005 (13.30 Uhr) in der Kreisverwaltung Sprecher/in 1 Elfriede Gormanns, geboren 1922, berichtet ihrem Enkel Stefan Schiweck im Jahre 2000 von der Bombardierung Hildesheims am 22. März 1945, die sie als 23-Jährige erlebt hat. Sprecher/in 2 „Der 22. März 1945 war ein schöner Frühlingstag. Ich fuhr mit dem Bus von Diekholzen nach Hildesheim, um einige Besorgungen zu erledigen. Anschließend besuchte ich meine Freundin und ihre Eltern. Sie wohnten im Dachgeschoss eines Hauses, das links neben dem Rathaus vom Marktplatz gesehen stand. Von den Fenstern aus konnte man den ganzen Marktplatz überblicken. Wir unterhielten uns, als um die Mittagszeit Fliegeralarm ausgelöst wurde. Da morgens bereits schon einmal Alarm gegeben wurde, aber nichts passierte, machten wir uns keine Sorgen und begaben uns in aller Ruhe in den Luftschutzkeller. Die Mutter meiner Freundin nahm ihren Koffer mit den notwendigen Papieren und einigen Kleidungsstücken mit. Meine Freundin machte sich auf den Weg zu Ihrer Arbeitsstelle bei der Einsatzleitung, wo sie bei Alarm sofort erscheinen musste. Sprecher/in 3 Handzettel für die Bevölkerung, herausgegeben von dem Reichsluftfahrtministerium 1942: Front gegen Feuer! In immer stärkerem Maße verwendet der Feind Brandbomben, um Wohn- und Arbeitsstätten des deutschen Volkes zu vernichten. Die am häufigsten verwendeten Brandbomben haben die Gestalt eines sechseckigen, ungefähr einen halben Meter langen Stabes. Diese Brandbomben durchschlagen das Dach, mitunter auch die obere Geschossdecke, und brennen mit grellweißer Flamme etwa fünfzehn Minuten lang. Jede Brandbombe muss sofort bekämpft, jeder Brand schnellstens gelöscht werden. Beachte dabei folgende zehn Leitsätze: Sprecher/in 4 Am 22. März 1945 starben in Hildesheim mindestens 1006 Menschen. Auszüge aus der Kriegsgräberliste vom 18. November 1961, Stadtarchiv Hildesheim, Bestand 102, Nr. 12199: Sprecher/in 5 Laufende Nummer 99, Anna Borchert, beerdigt am 28. März 1945, Nordfriedhof, Gräberfeld 5 C links, Reihe 3, Grab-Nr. 11 Laufende Nummer 100, Hanna Borchert, beerdigt am 28. März 1945, Nordfriedhof, Gräberfeld 5 C links, Reihe 3, Grab-Nr. 12 Sprecher/in 1 Der Luftschutzraum war in einem Gewölbekeller auf der Seite zur Seilwindergasse unterbracht. (Die Seilwinderstraße existiert nicht mehr, heute befindet sich dort das Verwaltungsgebäude der Stadt Hildesheim). Der Raum war ausgestattet mit einem Tisch, einem Bett, einigen Stühlen und einem Radio. In der Ecke standen ein Wasserbehälter, ein Kleiderständer mit Kleidung, eine Feuerpatsche, ein Eimer Sand und ein Eimer Wasser. Sprecher/in 3 Beachte dabei folgende zehn Leitsätze: 1. Löschgeräte und Löschmittel stets einsatzbereit halten! Im Treppenhaus verteilt aufstellen: Bottiche und Eimer mit Wasser; Kisten, Eimer oder Tüten (3 – 5 kg) mit Sand; Feuerpatschen und anderes. Im Luftschutzraum bereithalten: Handspritzen, Einreißhaken, Schaufeln oder Spaten, Äxte oder Beile und so weiter. 2. Kontrollgänge während des Luftangriffs durch das Haus machen! Der Abwurf von Brandbomben ist im Luftschutzraum unter Umständen nicht wahrzunehmen. Der Luftschutzwart oder von ihm beauftragte Hausbewohner müssen daher während des Luftangriffs alle Gebäudeteile von Zeit zu Zeit auf Brandbomben und Brände kontrollieren. Hierbei sind besonders auch Verschalungen und andere unübersichtliche Stellen gründlich abzusuchen. Sprecher/in 4 Laufende Nummer 198, Nordfriedhof, Gräberfeld 5 C links, Reihe 6, Grab-Nr. 20, Schinkowiak, geborene Küsel, geboren am 9. März 1892, Ehefrau, beerdigt am 29. März 1945 Sprecher/in 5 Laufende Nummer 199, Nordfriedhof, Gräberfeld 5 C links, Reihe 6, Grab-Nr. 21, Überreste von 9 unbekannten Leichen, beerdigt am 29. März 1945 Sprecher/in 2 Nach und nach fanden sich noch mehr Leute ein, die sich gerade in dem Gebäude aufhielten. Ein paar Frauen kamen mit Arbeitskitteln aus der Waschküche, wo sie mit der Wäsche beschäftigt waren. Wir waren etwa 10 Frauen und 1 Mann. Das Radio wurde eingeschaltet. Es wurde durchgesagt, dass Bomberverbände im Anflug auf Hildesheim seien. Wir hofften, dass die Bomber Hildesheim nur überflogen und ein anderes Ziel hatten, denn oft nahmen Bomberverbände diese Route zu Angriffen auf die Hauptstadt Berlin. Sprecher/in 3 Beachte dabei folgende zehn Leitsätze: 3. Auch die Umgebung des Hauses nach Brandbomben absuchen! Feuerschein dient dem Angreifer als Bombenziel. Deshalb Brandbomben im Freien sofort mit Sand oder Asche bedecken. Liegen Brandbomben in der Nähe des Hauses, sind sie wahrscheinlich auch in das Haus selbst eingeschlagen. 4. Brandbomben müssen sofort bekämpft werden! Bei rascher Brandausbreitung zuerst Entstehungsbrand mit Wasser bekämpfen. Die Brandbombe selbst kann mit Wasser oder auch mit Sand unschädlich gemacht werden. Sprecher/in 4 Laufende Nummer 299, Nordfriedhof, Gräberfeld 5 C links, Reihe 9, Grab-Nr. 19, Ernst Meyer, geboren am 26. Juni 1898 in Hof, Schlosser, beerdigt am 31. März 1945 Sprecher/in 5 Laufende Nummer 300, Nordfriedhof, Gräberfeld 5 C links, Reihe 9, Grab-Nr. 20, Agnes Eilers, beerdigt am 31. März 1945 Sprecher/in 1 Auf einmal hörte man das Dröhnen der Bomber und die ersten Einschläge von Sprengbomben, die immer näher kamen. Mir fiel auf, dass wir vergessen hatten, die schwere Eisentür zum Luftschutzraum zu verschließen, die uns vor Feuer und eventuell flüssigem Phosphor schützen sollte. Dies holte ich jetzt schnellstens mit dem Mann in unserem Keller nach. Wir sicherten die Tür noch zusätzlich oben und unten mit schweren Eisenriegeln. Alle Leute waren voller Todesangst. Die meisten von uns hatten sich auf den Boden gelegt oder hingekauert, hielten die Hände schützend über sich und beteten. Die Detonationen rückten näher und näher. Sprecher/in 3 Beachte dabei folgende zehn Leitsätze: 5. Gegen Splitter, Knallwirkung und dergleichen ständig Deckung nehmen! Als Schutzschilde sind hölzerne Deckel von Waschkesseln, größeren Kisten und so.weiter geeignet. Beim Vorgehen gegen Brandbomben auch Türen, Mauervorsprünge, Schornsteine als Deckung ausnutzen. 6. Auch bei der Brandbekämpfung die Gasmaske aufsetzen! Sie erleichtert das Vorgehen in verqualmten Räumen. Stets kriechend oder gebückt gegen den Brandherd vorgehen. Sprecher/in 4 Laufende Nummer 397, Nordfriedhof, Gräberfeld 5 C links, Reihe 12, Grab-Nr. 15, zwei unbekannte Männerleichen und 1 unbekannte Frauenleiche, Staatsangehörigkeiten: deutsch, beerdigt am 17. April1945 Sprecher/in 5 Laufende Nummer 398, Nordfriedhof, Gräberfeld 5 C links, Reihe 12, Grab-Nr. 16, zwei unbekannte Frauenleichen, Geburtstage: unbekannt, Geburtsorte: unbekannt, Staatsangehörigkeiten: unbekannt, beerdigt am 17. April 1945 Sprecher/in 2 Die fest verschlossene Tür krachte plötzlich unter dem gewaltigen Luftdruck auf und das Gebäude fiel mit lautem Krachen in sich zusammen. Der Ausgang aus dem Keller war versperrt. Wir saßen fest. Es entstand eine große Hitze. Ich erinnere mich noch genau, dass die Kleider, die am Kleiderständer hingen, langsam verkohlten und die Reste zu Boden fielen. Aus dem Keller des Nebengebäudes hörten wir lautes Schreien und Klopfen an unserer Kellerwand. Der Mann, der sich bei uns befand, reagierte sofort. Er nahm einen Hammer und schlug einen Durchbruch zum benachbarten Keller. Wir gingen hinüber in den anderen Keller. Sprecher/in 3 Beachte dabei folgende zehn Leitsätze: 7. Nicht nachlassen in der Brandbekämpfung! Auch größere Brände können mit einfachen Löschgeräten erfolgreich bekämpft werden. An jeder Mauer, an jeder Tür muss dem Feuer Widerstand geleistet werden. 8. Brandreste sorgfältig entfernen! Die mit Sand abgedeckten Brandbomben sind mit Schaufeln oder Eimer ins Freie zu bringen. Angekohlte Stellen sind mit Wasser abzukühlen und bis zum völligen Erkalten zu beobachten. Sprecher/in 4 Laufende Nummer 399, Nordfriedhof, Gräberfeld 5 C links, Reihe 12, Grab-Nr. 17, Charlotte Reineking (geborene Weise), geboren am 16. Juli 1897, Geburtsort: Stassfurth, Ehefrau, sowie Kind Adelheid Reineking, geboren am 21. September 1934 in Blankenburg, beide Staatsangehörigkeit: deutsch, beide beerdigt am 6. April 1945 Sprecher/in 5 Laufende Nummer 400, Nordfriedhof, Gräberfeld 5 C links, Reihe 12, Grab-Nr. 18, Karoline Ilse, (geborene Freimann) – Geburtstag: 30. Januar 1878, Geburtsort: Rössing, Ehefrau, Staatsangehörigkeit: deutsch, sowie eine unbekannte Frau, sowie ein unbekannter Mann, Staatsangehörigkeit: deutsch, sowie ein unbekanntes Mädchen, Staatsangehörigkeit: deutsch, alle beerdigt am 10. April 1945 Sprecher/in 4 Laufende Nummer 401, Nordfriedhof, Gräberfeld 5 C links, Reihe 12, Grab-Nr. 19, Margarete Wagner, geborene Ilse, Ehefrau, geboren am 22. September 1906, Otto Wagner, Kind, geboren am 7. September 1931, Günther Wagner, Kind, geboren am 30. August 1944, sowie eine unbekannte Frau und ein unbekanntes Mädchen, Staatsangehörigkeit: deutsch, alle beerdigt am 10. April 1945 Sprecher/in 1 Als Stille einkehrte, gingen wir von dort aus zu einem Kellerraum, der zum Marktplatz führte. Hier führte ein Lichtschacht nach oben. Einige Eisenstiegen führten hinauf. Der Ausgang war mit einem Gitter versperrt. Wieder half uns der Mann und öffnete das Gitter. Ich stieg mit den anderen hinaus und erblickte ein Bild der Zerstörung. Das Tempelhaus, das Rathaus und das Knochhaueramtshaus brannten lichterloh. Ringsherum herrschte eine unheimliche Stille. Nur das Prasseln des Feuers war zu hören. Außer den Menschen aus den zwei Häusern, aus denen wir kamen, war kein Mensch zu sehen. Sprecher/in 2 Voller Panik dachte ich nur: „Ich muss hier raus.“ Ich kletterte wieder schnell in den Keller zurück, lief in unseren Luftschutzkeller, zog den Bettbezug von dem Bett ab und tauchte ihn in den Eimer mit Wasser ein. Mit dem nassen Bettzeug in der Hand, lief ich wieder zurück zum Kellerausgang warf das Bettzeug hoch und kletterte zurück auf den Marktplatz. Auf dem Marktplatz befanden sich außer uns kaum Menschen. Voller Panik sah ich auf die brennenden Häuser und rief: „Wohin, wohin?“ Ein Luftschutzwart sagte: „Auf der Rathausstraße zum Hohen Weg liegt ein Blindgänger. Dort kann keiner durch.“ Die Marktstraße war vom Feuer eingeschlossen, so dass auch dorthin eine Flucht unmöglich war. Sprecher/in 5 Auszüge aus der Gräberliste, erstellt am 15. Februar 1954, Stadtarchiv Hildesheim, Bestand 102, Nr. 10017 Sprecher/in 4 Laufende Nummer 206: Johann Lieja, geboren am 14. Oktober 1917 in Opatna, Ostarbeiter, beerdigt am 3. April 1945 sowie 3 unbekannte Ostarbeiter, Todesursache Bombenwurf in Hildesheim, beerdigt am 3. April 1945 sowie Überreste von einem unbekannten Holländer, Todesursache Bombenwurf in Hildesheim, beerdigt am 3. April 1945 sowie Überreste von 2 unbekannten Frauenleichen, vermutlich Ostarbeiterinnen, Todesursache Bombenwurf in Hildesheim, beerdigt am 3. April 1945, alle Grabanlage 6 A links, Reihe 8, Grab-Nr. 258 Sprecher/in 5 Ebenfalls noch laufende Nummer 206 der Gräberliste: 208 unbekannte Tote, Größe der Grabfläche 60 Quadratmeter, Grabstelle geöffnet und Leichen gezählt am 4. September 1948. Sprecher/in 1 Ich hing mir die nassen Sachen über, um mich vor dem Feuer zu schützen und rannte ohne mich noch einmal umzuschauen in die entgegengesetzte Richtung davon zur Osterstraße. Etwa zwei Drittel der Leute folgten mir. Hinter mir hörte ich das Krachen der zusammenstürzenden Gebäude. Ein Kindermädchen aus dem Nachbarkeller, das ein Kleinkind auf dem Arm hatte, lief hinter mir her und schrie laufend: „Es ist ja nicht mein Kind. Es ist ja nicht mein Kind.“ Am Anfang der Osterstraße begegneten mir dann die ersten 5 Leute und als ich durch eine Passage zum Zingel lief sah ich schon einige Leute mehr. Sprecher/in 3 Beachte dabei folgende zehn Leitsätze: 9. Nicht auf fremde Hilfe warten! Jeder kämpfe selbst für sein Hab und Gut. Hilfe bei den Nachbarn oder beim Luftschutzrevier fordert nur der Luftschutzwart an. 10. Nur ein sich selbst überlassenes Feuer wächst sich zu einer Feuersbrunst aus! Darum handle jeder so, als ob der Erfolg nur von ihm allein abhinge! Sprecher/in 2 Ich ging dann am Ostbahnhof vorbei Richtung Hohnsen, um nach Diekholzen zu kommen. Dort traf ich einen Mann. Als er hörte, dass ich vom Marktplatz kam, erkundigte er sich nach seiner Familie, die im Nachbarhaus am Marktplatz gewesen war, um die er sich sehr sorgte. Er berichtete mir, dass er morgens nach dem ersten Alarm bereits mit seiner Familie Schutz im Galgenberg gesucht hatte, seine Familie aber - nachdem nichts passierte - wieder zurück nach Hause gekehrt war. Ich gab ihm Auskunft und ging weiter zum Ochtersumer Steinberg nach Hause. Unterwegs traf ich noch eine Frau aus Diekholzen, die den Bombenangriff im Keller des Josephinums überlebt hatte. Wir gingen gemeinsam weiter nach Hause. Als wir den Mühlenberg erreichten, standen dort viele Diekholzener, die sich das Inferno von diesem Aussichtspunkt ansahen. Sprecher/in 4 Stadtarchiv Hildesheim, Bestand 102, Nr. 10017: Öffnung des Massengrabes in der Abteilung 6 A links, Reihe 9 in der Zeit vom 30. August bis 4. September 1948 Die Freilegung und Untersuchung ergab: Es sind 208 Leichen, davon 17 Frauen, alle unbekleidet, bis auf eine, die einen Schlüpfer anhatte. Eine Frau hatte einen Knebel im Munde. 56 männliche Leichen, hatten KZ- oder Zivilkleidung an. Bei einigen war noch das Ostabzeichen an der Kleidung zu erkennen. Alle übrigen 135 Leichen waren unbekleidet. Sprecher/in 5 Gefunden wurde: ein goldener Ring von einem Mann. ein kleines Kreuz an einer Schnur um den Hals einer Frau. ein kleines Kreuz mit einer Kette lag frei im Grab. Russische Geldscheine und einen Ausweis mit Schutzhülle, der nicht zu entziffern war. 4 unbekleidete Leichen hatten noch die Schlinge um den Hals, mit der die Strangulierung erfolgte. Es ist anzunehmen, dass es sich bei den 17 Frauenleichen und den 56 bekleideten Männerleichen nicht um Italiener beziehungsweise Italienerinnen handelt. Sprecher/in 4 Zwischen dem 26. März und 7. April 1945 starben in Hildesheim bei den Massenhinrichtungen der Gestapo und der SS auf dem Marktplatz und im Polizei-Ersatzgefängnis, dem so genannten „Seuchenhaus“ auf dem Zentralfriedhof (heute: Nordfriedhof) mindestens 208 ausländische Zwangsarbeiter, Zwangsarbeiterinnen, Kriegsgefangene und jüdische Häftlinge aus dem Konzentrationslager Bergen-Belsen. Sprecher/in 1 Als ich endlich zu Hause ankam, waren meine Eltern entsetzt über mein verrußtes Aussehen und meine ruinierten Kleider. Ich sagte Ihnen: „Seid froh, dass ich noch lebe.“ und schilderte Ihnen meine grauenhaften Erlebnisse, damit sie sich vorstellen konnten, wie fürchterlich es noch immer in der Stadt brannte. Sie fragten mich, warum ich nicht die Bekannten mitgebracht habe. Diese waren vor Entsetzen wie gelähmt dort geblieben und hatten sich nicht getraut, durch die brennende Stadt zu laufen. Sie warteten lieber auf die Feuerwehr. Sprecher/in 2 Später, als ich herausfinden wollte was mit ihnen geschehen war und den mitgenommenen Bettbezug wieder zurückbringen wollte, fand ich sie nach langem Suchen in einem kleinen Kellerraum in der Sedanstraße wieder, in dem sie nun recht und schlecht hausten. Sie hatten noch lange auf Hilfe auf dem Markt warten müssen. Anschließend dauerte es lange, bis sich die Familie wieder fand. Alles was sie besaß war bis auf ihren Koffer verbrannt. Ich erfuhr von ihnen, dass in der Stadtschänke, die sich zwei Häuser weiter am Marktplatz befunden hatte, 30 Menschen verbrannt waren. Angeblich wollten Sie den Keller nicht verlassen und warten bis Entwarnung kam. Da dies nicht mehr möglich war, weil ja alles zerstört war und die Sirenen deshalb auch nicht mehr funktionieren konnten, daran hatte in der Panik und Angst niemand gedacht. (Egbert Schendel, April 2005) |

