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09. Februar 2012
Kriegsgräberstätte für die Bombenopfer des Zweiten Weltkriegs Drucken
Am Ende dieses Weges ist im Hintergrund das felsige Kreuz zu erkennen, das den Weg zu den Opfern des Bombenkriegs weist.


Der Bombenkrieg im Zweiten Weltkrieg

zerstörte LiljeMit Flächenbombardements gegen Wohngebiete, Rüstungszentren oder Bahnhofsanlagen in den Städten versuchten die Briten und Amerikaner erfolglos die Loyalität der deutschen Bevölkerung mit Hitler zu brechen. Der Einsatz neuer Zielmittel (Radar) erhöhte die Treffsicherheit bei Luftangriffen. Die schlimmsten Bombenangriffe der Alliierten auf deutsche Städte erfolgten in den letzten Kriegsmonaten. Seit Januar 1945 starben täglich mehr als 1000 Menschen im Bombenhagel in Berlin, Hamburg, Dresden, Swinemünde, Hildesheim und in anderen Orten. Viele der insgesamt 2 800 000 toten Zivilisten auf deutscher Seite ließen ihr Leben bei alliierten Luftangriffen.








Blick auf die von der deutschen Luftwaffe zerstörte Stadt CoventryDie Nationalsozialisten erprobten den Bombenkrieg bereits im spanischen Bürgerkrieg. Die Zerstörung des baskischen Stadt Guernica 1937 verewigte Picasso in seinem weltberühmten Gemälde als Mahnmal gegen unmenschlichen Terror. Im Zweiten Weltkrieg zerstörte die deutsche Luftwaffe die mittelenglische Stadt Coventry 1940 fast völlig.

Der von den Hitler-Diktatur entfachte kriegerische Flächenbrand richtete sich aber schon bald macht- und schreckensvoll gegen die Bevölkerung in den deutschen Städten.









Der Bombenkrieg in Hildesheim


Die städtischen Statistiken beziffern die Zahl der getöteten Bombenopfer in Hildesheim zwischen 1645 und 1736 Menschen, darunter 100 Wehrmachtsangehörige und 146 Ausländer. Die folgende Übersicht zeigt die Schrecken der Bombardements in Hildesheim:

  • 9. Oktober 1943: Eine Bombe fällt bei dem Gut Steuerwald, 4 Tote.
  • 29. Juli 1944: Tagesangriff auf die Zuckerraffinerie, das Lager Lademühle und die Vereinigten Deutschen Metallwerke, 10 Tote.
  • 12. August 1944: Nachtangriff auf die Zuckerraffinerie, das Lager Lademühle und am Hohnsen, 10 Tote.
  • 22. Februar 1945: Tagesangriff auf die Neustadt, die Oststadt, die Umgebung des Güterbahnhofs und Seitenstraßen der Schützenallee, 360 Tote.
  • 3. März 1945: Tagesangriff mit Bombenteppichen quer durch die Stadt, einschließlich Großer Saatner, 76 Tote.
  • 14. März 1945: Tagesangriff mit Ziel Vereinigte Deutsche Metallwerke, getroffen werden Senking, die Zuckerraffinerie, die Milchversorgung, der Rangier- und Güterbahnhof, die Brauerei und benachbarte Straßen, Teile der Nordstadt und das Bernward-Krankenhaus, sowie der Kalenberger Graben, 124 Tote.
  • 22. März 1945: Die völlige Zerstörung im Kerngebiet der alten Stadt Hildesheim durch britisch-kanadische Bomberverbände, mindestens 1006 Tote.
  • 28. März 1945: Einzelne Bomben, unter anderem auf das Haus der Barmherzigen Schwestern, wahrscheinlich 7 Tote.

(Quelle: Menno Aden: Hildesheim lebt, Zerstörung und Wiederaufbau, Eine Chronik, 1. Aufl., Hildesheim 1994, S. 238)

[Bild: Jakobistraße]
[Bild: Seilwinderstraße]

(Jakobistraße und Seilwinderstraße, vor und nach der Zerstörung)


Die damals 23-jährige Elfriede Gormanns aus Diekholzen, zu Besuch in Hildesheim, überlebte den verheerenden Bombenangriff am 22. März 1945 in einem Luftschutzkellerraum in der Seilbindergasse, direkt neben dem Rathaus: „Dzerstörtes Hildesheimie Detonationen rückten näher und näher. Die fest verschlossene Tür krachte plötzlich unter dem gewaltigen Luftdruck auf und das Gebäude fiel mit lautem Krachen in sich zusammen. Der Ausgang aus dem Keller war versperrt. Wir saßen fest. Es entstand eine große Hitze.“ (Elfriede Gormanns: Unveröffentlichter Augenzeugenbericht, Hildesheim 2000)

Elfriede Gormanns überlebte, aber mindestens 1006 Menschen starben an diesem 22. März 1945. Alle wichtigen öffentlichen Gebäude, Fachwerkbauten und Kirchen der Altstadt waren zerstört.

[Bild: Hildesheim nach dem 22. März. Blick vom Andreasturm über die Rolandstraße auf die zerstörte Michaeliskirche]


Die Bomberopfer auf dem Nordfriedhof

Die zivilen Opfer der Luftangriffe wurden auf dem Zentralfriedhof (Nordfriedhof) auf einem vom Ehrenfriedhof getrennten separaten Gräberfeld beigesetzt. 708 Kriegsgräber der Bombenopfer sind heute insgesamt erfasst; in manchen Fällen hatten Angehörige auf eine Kennzeichnung als Kriegsgrab verzichtet. Auf dem Gräberfeld für die Kriegsopfer des Bombenkriegs befinden sich in 15 Reihen ca. 500 eingelassene Grabsteine. Das ursprünglich mit Rosen bepflanzte Gräberfeld wurde am 20. November 1955 eingeweiht. Das grob bearbeitete felsige Dolomit-Kreuz ist von zwei Gedenkplatten mit Inschriften umgeben.

Die Grabplatte in Reihe 12, Nr. 19 (rechts des Weges), weist die letzte Ruhestätte von Margarete Wagner, geborene Ilse (geb. 1906), ihren beiden Kindern Otto (geb. 1931) und Günther (geb. 1944) aus. In diesem Grab beigesetzt sind auch eine unbekannte Frau und ein unbekanntes Mädchen. Wie viele andere Opfer des 22. März 1945 wurden sie auch am 10. April 1945 beerdigt. Die im Stadtarchiv einsehbaren Listen geben die Moltkestr. 64 als Anschrift der Angehörigen an. Die gleiche Anschrift zeigen die Listen auch für das Grab Nr. 18 in Reihe 12. Dort haben Karoline Ilse, geborene Freimann, sowie drei Unbekannte (Mann, Frau, Mädchen) ihre letzte Ruhestätte.


Ausblick


Blick auf den Hildesheimer Marktplatz und das KnochenhaueramtshausHildesheim ist nach dem Krieg wieder aufgebaut worden. Der Marktplatz und die Weltkulturdenkmale (Dom, Michaeliskirche) sind wieder attraktive Touristenziele. Die Katastrophe des 22. März 1945 erinnert mahnend, die Auswirkungen von Kriegen auf die Zivilbevölkerung nie in Vergessenheit geraten zu lassen.




„Sorgt ihr, die ihr noch im Leben steht, dass Frieden bleibe, Frieden zwischen den Menschen, Frieden zwischen den Völkern.“
(Theodor Heuss)








Anmerkung:
Der Text für die Pulttafel "Bombenopfer" auf dem Nordfriedhof wurde von dem Volksbund überarbeitet.
 

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