| Augenzeugenbericht vom Bombenangriff auf Hildesheim, von Elfriede Gormanns |
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Stefan Schiweck, Friedrich-List-Schule, Klasse 11 E, Fachgymnasium Wirtschaft, November 2004 "Meine Großmutter Elfriede Gormanns war 1945 23 Jahre alt. Sie berichtete mir im Jahr 2000 wie sie die Zerstörung Hildesheims am 22. März 1945 überlebte." Elfriede Gormanns„Der 22. März 1945 war ein schöner Frühlingstag. Ich fuhr mit dem Bus von Diekholzen nach Hildesheim, um einige Besorgungen zu erledigen. Anschließend besuchte ich meine Freundin und ihre Eltern. Sie wohnten im Dachgeschoss eines Hauses, dass links neben dem Rathaus vom Marktplatz gesehen, stand. Von den Fenstern aus konnte man den ganzen Marktplatz überblicken. Wir unterhielten uns, als um die Mittagszeit Fliegeralarm ausgelöst wurde. Da morgens bereits schon einmal Alarm gegeben wurde, aber nichts passierte, machten wir uns keine Sorgen und begaben uns in aller Ruhe in den Luftschutzkeller. Die Mutter meiner Freundin nahm ihren Koffer mit den notwendigen Papieren und einigen Kleidungsstücken mit. Meine Freundin machte sich auf den Weg zu ihrer Arbeitsstelle bei der Einsatzleitung, wo sie bei Alarm sofort erscheinen musste.Der Luftschutzraum war in einem Gewölbekeller auf der Seite zur Seilwindergasse unterbracht. (Die Seilwinderstraße existiert nicht mehr, heute befindet sich dort das Verwaltungsgebäude der Stadt Hildesheim). Der Raum war ausgestattet mit einem Tisch, einem Bett, einigen Stühlen und einem Radio. In der Ecke standen ein Wasserbehälter, ein Kleiderständer mit Kleidung, eine Feuerpatsche, ein Eimer Sand und ein Eimer Wasser. Nach und nach fanden sich noch mehr Leute ein, die sich gerade in dem Gebäude aufhielten. Ein paar Frauen kamen mit Arbeitskitteln aus der Waschküche, wo sie mit der Wäsche beschäftigt waren. Wir waren etwa 10 Frauen und 1 Mann. Das Radio wurde eingeschaltet. Es wurde durchgesagt, dass Bomberverbände im Anflug auf Hildesheim seien. Wir hofften, dass die Bomber Hildesheim nur überflogen und ein anderes Ziel hatten, denn oft nahmen Bomberverbände diese Route zu Angriffen auf die Hauptstadt Berlin. Auf einmal hörte man das Dröhnen der Bomber und die ersten Einschläge von Sprengbomben, die immer näher kamen. Mir fiel auf, dass wir vergessen hatten, die schwere Eisentür zum Luftschutzraum zu verschließen, die uns vor Feuer und eventuell flüssigem Phosphor schützen sollte. Dies holte ich jetzt schnellstens mit dem Mann in unserem Keller nach. Wir sicherten die Tür noch zusätzlich oben und unten mit schweren Eisenriegeln. Alle Leute waren voller Todesangst. Die meisten von uns hatten sich auf den Boden gelegt oder hingekauert, hielten die Hände schützend über sich und beteten. Die Detonationen rückten näher und näher. Elfriede GormannsDie fest verschlossene Tür krachte plötzlich unter dem gewaltigen Luftdruck auf und das Gebäude fiel mit lautem Krachen in sich zusammen. Der Ausgang aus dem Keller war versperrt. Wir saßen fest. Es entstand eine große Hitze. Ich erinnere mich noch genau, dass die Kleider, die am Kleiderständer hingen, langsam verkohlten und die Reste zu Boden fielen. Aus dem Keller des Nebengebäudes hörten wir lautes Schreien und Klopfen an unserer Kellerwand. Der Mann, der sich bei uns befand, reagierte sofort. Er nahm einen Hammer und schlug einen Durchbruch zum benachbarten Keller. Wir gingen hinüber in den anderen Keller. Als Stille einkehrte, gingen wir von dort aus zu einem Kellerraum, der zum Marktplatz führte. Hier führte ein Lichtschacht nach oben. Einige Eisenstiegen führten hinauf. Der Ausgang war mit einem Gitter versperrt. Wieder half uns der Mann und öffnete das Gitter. Ich stieg mit den anderen hinaus und erblickte ein Bild der Zerstörung. Das Tempelhaus, das Rathaus und das Knochhaueramtshaus brannten lichterloh. Ringsherum herrschte eine unheimliche Stille. Nur das Prasseln des Feuers war zu hören. Außer den Menschen aus den zwei Häusern, aus denen wir kamen, war kein Mensch zu sehen. Voller Panik dachte ich nur: „Ich muss hier raus.“ Ich kletterte wieder schnell in den Keller zurück, lief in unseren Luftschutzkeller, zog den Bettbezug von dem Bett ab und tauchte ihn in den Eimer mit Wasser ein. Mit dem nassen Bettzeug in der Hand, lief ich wieder zurück zum Kellerausgang warf das Bettzeug hoch und kletterte zurück auf den Marktplatz. Auf dem Marktplatz befanden sich außer uns kaum Menschen. Voller Panik sah ich auf die brennenden Häuser und rief: „Wohin, wohin?“ Ein Luftschutzwart sagte: „Auf der Rathausstraße zum Hohen Weg liegt ein Blindgänger. Dort kann keiner durch.“ Die Marktstraße war vom Feuer eingeschlossen, so dass auch dorthin eine Flucht unmöglich war. Ich hing mir die nassen Sachen über, um mich vor dem Feuer zu schützen und rannte ohne mich noch einmal umzuschauen in die entgegengesetzte Richtung davon zur Osterstraße. Ca. zwei Drittel der Leute folgten mir. Hinter mir hörte ich das Krachen der zusammenstürzenden Gebäude. Ein Kindermädchen aus dem Nachbarkeller, das ein Kleinkind auf dem Arm hatte lief hinter mir her und schrie laufend: „Es ist ja nicht mein Kind. Es ist ja nicht mein Kind.“ Am Anfang der Osterstraße begegneten mir dann die ersten 5 Leute und als ich durch eine Passage zum Zingel lief sah ich schon einige Leute mehr. Ich ging dann am Ostbahnhof vorbei Richtung Hohnsen, um nach Diekholzen zu kommen. Dort traf ich einen Mann. Als er hörte, dass ich vom Marktplatz kam, erkundigte er sich nach seiner Familie, die im Nachbarhaus am Marktplatz gewesen war, um die er sich sehr sorgte. Er berichtete mir, dass er morgens nach dem ersten Alarm bereits mit seiner Familie Schutz im Galgenberg gesucht hatte, seine Familie aber - nachdem nichts passierte - wieder zurück nach Hause gekehrt war. Ich gab ihm Auskunft und ging weiter zum Ochtersumer Steinberg nach Hause. Unterwegs traf ich noch eine Frau aus Diekholzen, die den Bombenangriff im Keller des Josephinums überlebt hatte. Wir gingen gemeinsam weiter nach Hause. Als wir den Mühlenberg erreichten, standen dort viele Diekholzener, die sich das Inferno von diesem Aussichtspunkt ansahen. Als ich endlich zu Hause ankam, waren meine Eltern entsetzt über mein verrußtes Aussehen und meine ruinierten Kleider. Ich sagte Ihnen: „Seid froh, dass ich noch lebe.“ und schilderte Ihnen meine grauenhaften Erlebnisse, damit sie sich vorstellen konnten, wie fürchterlich es noch immer in der Stadt brannte. Sie fragten mich, warum ich nicht die Bekannten mitgebracht habe. Diese waren vor Entsetzen wie gelähmt dort geblieben und hatten sich nicht getraut, durch die brennende Stadt zu laufen. Sie warteten lieber auf die Feuerwehr. Später, als ich herausfinden wollte was mit ihnen geschehen war und den mitgenommenen Bettbezug wieder zurückbringen wollte, fand ich sie nach langem Suchen in einem kleinen Kellerraum in der Sedanstraße wieder, in dem sie nun recht und schlecht hausten. Sie hatten noch lange auf Hilfe auf dem Markt warten müssen. Anschließend dauerte es lange, bis sich die Familie wieder fand. Alles was sie besaß war bis auf ihren Koffer verbrannt. Ich erfuhr von ihnen, dass in der Stadtschänke, die sich zwei Häuser weiter am Marktplatz befunden hatte, 30 Menschen verbrannt waren. Angeblich wollten Sie den Keller nicht verlassen und warten bis Entwarnung kam. Da dies nicht mehr möglich war, weil ja alles zerstört war und die Sirenen deshalb auch nicht mehr funktionieren konnten, daran hatte in der Panik und Angst niemand gedacht.“ |


Elfriede Gormanns„Der 22. März 1945 war ein schöner Frühlingstag. Ich fuhr mit dem Bus von Diekholzen nach Hildesheim, um einige Besorgungen zu erledigen. Anschließend besuchte ich meine Freundin und ihre Eltern. Sie wohnten im Dachgeschoss eines Hauses, dass links neben dem Rathaus vom Marktplatz gesehen, stand. Von den Fenstern aus konnte man den ganzen Marktplatz überblicken. Wir unterhielten uns, als um die Mittagszeit Fliegeralarm ausgelöst wurde. Da morgens bereits schon einmal Alarm gegeben wurde, aber nichts passierte, machten wir uns keine Sorgen und begaben uns in aller Ruhe in den Luftschutzkeller. Die Mutter meiner Freundin nahm ihren Koffer mit den notwendigen Papieren und einigen Kleidungsstücken mit. Meine Freundin machte sich auf den Weg zu ihrer Arbeitsstelle bei der Einsatzleitung, wo sie bei Alarm sofort erscheinen musste.