| Kriegsgräberstätte für die im Ersten Weltkrieg getöteten Soldaten |
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Der Ehrenfriedhof für die gefallenen Soldaten des Ersten Weltkriegs wurde 1916 bis 1923 angelegt. In Blickrichtung zum Ehrenmal (Gedenkwand) erinnern in den Nischen der beiden Wege 372 Grabstelen aus Sandstein an die Opfer des ersten Weltkriegs. Der Erste Weltkrieg [Bild: Karl Albes] Karl Albes74 Millionen Soldaten, teilweise erst Vierzehnjährige (Foto: Kriegsfreiwilliger Karl Albes, 14 Jahre), kämpften mehr als vier Jahre auf den Kriegsschauplätzen Europas: Soldaten des Deutschen Kaiserreichs und der österreichisch-ungarischen Donaumonarchie gegen die Armeen der alliierten Kriegsgegnern aus Frankreich, Großbritannien und den USA (seit 1917). Ein zermürbender Stellungskrieg im Westen führte erstmals auch zum Einsatz von Giftgas und Panzern in einem Krieg. 20 Millionen Verwundete waren zu beklagen, viele Soldaten waren bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt. Annähernd 10 Millionen Soldaten fanden den Tod auf den Schlachtfeldern in Belgien, Frankreich, Polen oder Russland. 4165 gefallene Soldaten gehörten dem in Hildesheim stationierten 79. Regiment an. Hildesheim im Ersten Weltkrieg [Bild: 79er Reg. Hildesheimer Bahnhofsvorplatz] 79er Reg. Hildesheimer BahnhofsvorplatzNur wenige Tage nach den Kriegserklärungen und Mobilmachungen wurde das in Hildesheim stationierte 79. Infanterieregiment von Voigt-Rhetz am 6. August 1914 an die westlichen Frontlinien beordert. Die Bevölkerung in Hildesheim ließ sich von der allgemeinen Kriegsbegeisterung und den zu Kriegsbeginn auf dem Marktplatz eintreffenden Siegesmeldungen mitreißen. Doch noch im August 1914 wurden fast 1000 Soldaten des 79. Regiments bei Aiseau (Belgien) entweder Musketier Werkgetötet oder wie Musketier Werk aus Hildesheim schwer verletzt. [Bild: Musketier Werk] Hildesheim blieb im Ersten Weltkrieg von direkten Kriegshandlungen verschont. Der von der Obersten Heeresleitung verkündete totale Krieg führte zur Einbeziehung aller gesellschaftlichen und materiellen Kräfte Hildesheims in die Kriegswirtschaft des Kaiserreichs. Brot und Trinkwasser wurde rationiert; Volksküchen versorgten große Teile der Bevölkerung. (Foto: Volksküche)Ersatzlazarett Hungersnöte bestimmten den letzten Kriegswinter. Verwundete wurden in Lazaretten gepflegt, die teilweise auch von Privatpersonen zur Verfügung gestellt wurden. [Bild: Ersatzlazarett Villa Dyes] Todesanzeige Ernst WerkAls die militärische Niederlage des Kaiserreichs 1918 unabwendbar wurde, waren aus Siegesträumen längst Alpträume geworden. Feldpostbriefe, z. B. der Brüder Max und Ernst Werk an ihre Eltern in Hildesheim, veranschaulichen heute das unvorstellbare, alltägliche Grauen in den Schützengräben. Ernst Werk starb am 26. Oktober 1917 im Alter von 19 Jahren. [Bild: Todesanzeige von Ernst Werk] Die Kriegsopfer auf dem Ehrenfriedhof Als ursprünglich abgetrennter Teil des Zentralfriedhofs (heute: Nordfriedhof) wurde der Ehrenfriedhof während des Ersten Weltkriegs angelegt. Die hier beigesetzten Soldaten verstarben vorwiegend in einem der vielen Lazarette Hildesheims, manche von ihnen auch als Kriegsinvaliden in späteren Jahren. Vereinzelt wurden gefallene Soldaten von den Kriegsschauplätzen zurück nach Hildesheim geholt, um auf dem Ehrenfriedhof beigesetzt zu werden. Insgesamt ruhen 401 Soldaten des Ersten Weltkrieges auf dem Nordfriedhof, die meisten von ihnen auf dem Ehrenfriedhof. Im Stadtarchiv sind die Namen der Verstorbenen aufgelistet Vierundzwanzig verstorbene russische Kriegsgefangene wurden nicht auf dem Ehrenfriedhof beigesetzt. Der 24-jährige Alexander Dubikow, kurz vor dem Ende des Krieges, am 19. Okt. 1918 gestorben, wurde mit seinen Landsleuten auf dem Gräberfeld XIII.c. beigesetzt. (siehe Friedhofsplan am Eingang) Die am östlichen Ende des Mittelweges als Wahrzeichen des Ehrenfriedhofs im neoklassizistischen Memorialbaustil konzipierte Gedenkwand wurde 1923 eingeweiht. Dieses Ehrenmal dient in unserer Gegenwart, insbesondere am Volkstrauertag, der Gemeinschaft der Trauernden als Mahnmal. Die Inschriften der Gedenkwand sollten den gefallenen Soldaten ursprünglich über den Tod hinaus eine heldenhafte Verehrung zuteil werden lassen. Heute werden die Soldaten des Ersten Weltkriegs als Kriegsopfer der letzten deutschen Monarchie gesehen. Ausblick Die Opfer des Ersten Weltkriegs haben Deutschland das Tor zur Demokratie und zur Republik (seit 9. November 1918) geöffnet. Erste Angriffe gegen die junge Republik konnten 1920 noch abgewehrt werden. Die sechs Opfer des Kapp-Putsches in Hildesheim wurden auf dem Ehrenfriedhof beigesetzt. „Nie wieder Krieg“, lautete die 1918 wiederentdeckte Botschaft, die doch nur wieder 20 Jahre Bestand hatte. Das Vertrauen in die Menschlichkeit, in die Toleranz anderen Völkern und Staaten gegenüber und in die politische Urteilskraft hatte erneut furchtbar gelitten. „Die höchste Erkenntnis, zu der man gelangen kann, ist Sehnsucht nach Frieden.“
(Albert Schweitzer)Anmerkung: Der Text für die Pulttafel "Ehrenfriedhof Ersten Weltkrieg" auf dem Nordfriedhof wurde von dem Volksbund überarbeitet. |

