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09. Februar 2012
Kriegsgräberstätten auf dem Nordfriedhof Drucken
Krieg in Niedersachsen

Am 7. April 1945 besetzten amerikanische Truppen Hildesheim. Anders als im Ersten Weltkrieg (1914 – 1918) waren die Menschen im heutigen Niedersachsen im Zweiten Weltkrieg unmittelbar von den Kampfhandlungen betroffen. Der von der nationalsozialistischen Hitler-Regierung verursachte Zweite Weltkrieg hatte allein im heutigen Niedersachsen 350 000 Soldaten und Zivilisten sowie zehntausenden von Menschen in den Konzentrationslagern wie Bergen-Belsen das Leben gekostet. Nach Hitlers Überfall auf Polen am 1. September 1939 erlebten die Soldaten die Schrecken des Zweiten Weltkriegs in den fast sechs Jahre dauernden Kampfhandlungen an zahlreichen Fronten. Der 8. Mai 1945, der Tag der offiziellen Kapitulation der NS-Regierung vor den Alliierten, gilt heute als „Tag der Befreiung“ (Richard von Weizsäcker, 1985) von den Schrecken des Krieges und von der Gräueltaten der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft.



Hitlerjugend auf dem MarktplatzHildesheim zur Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft

Nachdem die Nationalsozialisten am 8. März 1933 die Macht in dem Hildesheimer Rathaus übernommen hatten, wurde das alltägliche Leben in Hildesheim von der neuen Ideologie der Volksgemeinschaft geprägt.








Die großen Industriebetriebe Hildesheims, z. B. Vereinigte Metallwerke, Senkung, ELFI/Trillke, wurden in die Rüstungsplanungen des NS-Regimes einbezogen. Mit Einführung der allgemeinen Wehrplicht wurden junge Männer aus Hildesheim für die deutsche Wehrmacht rekrutiert. Dennoch war mit Beginn des Zweiten Weltkriegs – anders als noch im August 1914 – keine von den Nationalsozialisten gewünschte Kriegsbegeisterung zu spüren.

Rückkehrende Soldaten aus Frankreich in der Goslarschen LandstraßeVerwundete Soldaten mussten in Hildesheimer Krankenhäusern und teilweise auch in Schulen gepflegt werden. Am 22. März 1945 hatte ein verheerender Luftangriff Hildesheim zerstört und zahlreiche Menschenleben ausgelöscht.








[Bild: Zerstörtes Rathaus]

Insgesamt starben mehr als 1600 Menschen in Hildesheim bei alliierten Bombenangriffen: Hildesheimer Frauen, Männer und Kinder, verwundete Soldaten, Zwangsarbeit leistende Männer und Frauen aus vielen Nationen und auch die zu Aufräumarbeiten eingesetzten ungarisch-jüdischen Häftlinge aus dem Konzentrationslager Bergen-Belsen. Die Gestapo und die SS verübten nach dem 22. März 1945 barbarischen Terror. Bei Massenhinrichtungen gegen angebliche Plünderer, betroffen waren vor allem Zwangsarbeit leistende ausländische Arbeitskräfte, starben an den Galgen auf dem Marktplatz und im Polizei-Ersatzgefängnis auf dem Nordfriedhof zahlreiche Menschen. Das Massengrab mit 208 unbekannten Männern und Frauen auf dem Nordfriedhof erinnert an diesen grausamen nationalsozialistischen Terror in Hildesheim.


[Bild: Gustav Hoppe]

Auf dem Nordfriedhof ist auch das Grab eines Aktivisten des Widerstands gegen das NS-Regime zu finden. Als ehemaliger Buchdruckermeister leistete Gustav Hoppe Aufklärungsarbeit für verbotene Arbeiterorganisationen. Von den Qualen und Entbehrungen seiner achtjährigen Zuchthausstrafe gesundheitlich schwer gezeichnet, starb Gustav Hoppe am 1. April 1953 im Alter von 56 Jahren. Sein Grabstein auf dem Nordfriedhof trägt die Inschrift „Ein Leben für den Frieden“. (Friedhofsplan, Gräberfeld III. a. li.)


Kriegsopfer und Kriegsgräberanlagen auf dem Nordfriedhof

Der Nordfriedhof (früher: „Zentralfriedhof“) ist heute die letzte Ruhestätte von mehr als 2160 Kriegstoten, die zumeist auf vier räumlich getrennten Gräberfeldern beigesetzt wurden. Unterschiedliche Quellen und vorläufige Schätzungen ergeben die folgende Anzahl der Kriegstoten (in Klammern: Ruhestätten laut Friedhofsplan) auf dem Nordfriedhof:

  • Über 400 im Ersten Weltkrieg gefallene Soldaten, einschließlich 24 russische Kriegsgefangene
    (Ehrenfriedhof, VII. a. r., VII. b. r., XI. a., XI. C., XIII. b. und XIII. c.)
  • über 360 im Zweiten Weltkrieg getötete Soldaten
    (Ehrenfriedhof, I. b. und, I. a.)
  • über 700 Opfer der Luftangriffe auf Hildesheim
    (Gräberfeld für Bombenopfer)
  • über 700 ausländische Opfer des Zweiten Weltkriegs
    (Gräberfeld für Ausländer, mit Massengrab, III. a. li., V. a. li. und V. b. li.)

Weitere Informationen enthalten die Erinnerungstafeln an den vier großen Gräberfeldern für die Kriegsopfer. Die Standorte der Gedenktafeln sind auf dem Friedhofsplan gekennzeichnet.


Erinnern für die Zukunft – Arbeit für den Frieden

Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. ist eine humanitäre Organisation. Er widmet sich der Aufgabe, die Gräber der deutschen Kriegstoten, hauptsächlich im Ausland zu erfassen, zu erhalten und zu pflegen. Der Volksbund betreut Angehörige in Fragen der Kriegsgräberfürsorge, er berät öffentliche und private Stellen, er unterstützt die internationale Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Kriegsgräberfürsorge und fördert die Begegnung junger Menschen an den Ruhestätten der Toten.



„Da Kriege in den Seelen der Menschen ihren Ursprung haben, muss auch die Verteidigung des Friedens in der Seele des Menschen entstehen.“

(Präambel der UNESCO)



Die Geschichts- und Erinnerungstafeln auf dem Nordfriedhof sind das Ergebnis eines Schulprojekts der Friedrich-List-Schule, Berufsbildende Schule Hildesheim - Fachgymnasium Wirtschaft -, und des Volksbundes.


Anmerkung:
Der Text für die Informationstafel auf dem Nordfriedhof wurde von dem Volksbund überarbeitet.
 

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