Es waren die Männer der „Praxis“, um bei den Worten Friedrich Lists zu bleiben, die zwölf Jahre nach seinen Ausführungen in Hildesheim aktiv wurden, die geistige Grundsteinlegung der Friedrich-List-Schule vorzunehmen. Einer privaten Initiative von Hildesheimer Kaufleuten, die in der so genannten Kramer-und Gewandschneider-Gilde organisiert waren, ist es zu verdanken, dass bereits am 5. November 1849 die erste Handelsschule Hildesheims gegründet wurde. Schulstandort des privaten kaufmännischen Schulwesens wurde das bereits 1482 erbaute Kramergildehaus am Andreasplatz. Dieses, in mittelalterlicher Gotik erbaute Amtshaus der Kramergilde, das -wie so viele Altbauten Hildesheims beim alliierten Bombenangriff am 22. März 1945 zerstört wurde – stand zwischen der heutigen Fußgängerzone (Hoher Weg) und der Andreaskirche, in einer Reihe mit anderen Fachwerkbauten.
Die Kaufleute Hildesheims hatten ihre „Lehrlinge“, ihre „Gehülfen“ und auch andere interessierte junge Leute als Zielgruppe dieser freiwilligen, privaten Handelsschule vorgesehen. Über den Unterrichtsalltag, der nach Ostern 1850 begann, ist wenig bekannt. Die vorgesehenen Unterrichtszeiten für Kalligraphie oder Handelskunde zeigen jedoch, dass Lehrkräfte und Schüler im Sommerhalbjahr offenbar sehr früh aufstehen mussten, denn der Unterricht begann bereits um 5.30 Uhr.
Vielleicht waren es diese Unterrichtszeiten, zu starke Belastungen der kaufmännischen Lehrlinge und Gehilfen, die Freiwilligkeit des Besuchs, das Schulgeld oder die fehlende Einsicht in die Notwendigkeit des Besuchs der Handelsschule, die dazu mit beigetragen haben, dass dieser erste Privatschulversuch ebenso scheiterte wie spätere private kaufmännische Bildungseinrichtungen in Hildesheim im 19. Jahrhundert.
Anlässlich der 150-Jahr-Feier des kaufmännischen Schulwesens in unserer Schule im Jahr 1999 haben wir den Beginn der Kramergilde-Handelsschule bereits angemessen gewürdigt. Die Initiative für diese Feier ging seinerzeit von unserem Schulchronisten aus, dessen Vorarbeiten zur Schulgeschichte – auf die ich hier wesentlich zugreife – weiterhin sehr verdienstvoll bleiben. Mein herzlicher Dank gilt hiermit bereits an dieser Stelle dem ehemaligen Kollegen Norbert Laufköter und dem Kollegen Klaus Tepe, der die Schulchronik gegenwärtig fortführt.
Auch drei weitere private Schulgründungen scheiterten an mangelnden Schülerzahlen, unter anderem die 1862 von einem Direktor Schaake gegründete private Höhere Handelsschule, die in der Jakobistraße ihr Domizil hatte.
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