Obwohl Lehrer und Schüler gemeinsam bei der Trümmerbeseitigung auf dem Schulgelände halfen, war an Unterricht in der Wollenweberstraße vorerst nicht mehr zu denken. Zudem waren die Lehrer teilweise, den Anweisungen der alliierten Besatzungsmacht folgend, den Dolmetscherbüros, dem Wohnungsamt oder den Kohlenstellen zugeteilt. Erst im Dezember 1945 ermöglichte die Stadt Hildesheim in der Hohnsenschule wieder den Berufsschulunterricht und wenig später, im Februar 1946, konnte auch ein Klassenraum in der Moltkeschule genutzt werden.
Die Handelslehranstalt wurden im August 1946 formal in das Wirtschaftsgebäude der Steingrubenkaserne, dem späteren „Haus der Jugend“ verlagert. Die Wiederaufnahme des Unterrichts in der Handelsschule und in der Höheren Handelsschule machte es erforderlich, dass die Lernenden Sitzgelegenheiten und Brennmaterial anfangs noch selbst mitbringen mussten. Bedingt auch durch den Flüchtlingsstrom aus den ehemaligen Ostgebieten, kam es an der Schule zu zahlreichen Neuanmeldungen. Ein Schulausflug der Handelsschule zum Hainberg mit dem Klassenlehrer Lehmann 1947 zeigt einerseits die Kunst zu improvisieren und andererseits aber auch die Freude der Lernenden, an diesem Ereignis teilhaben zu dürfen, trotz erheblicher Sicherheitsbedenken aus heutiger Sicht. Es dauerte noch bis Oktober 1954 bevor die Handelslehranstalten in das fertig gestellte heutige 2. Schulgebäude in der Wollenweberstraße wieder einziehen konnten. Das Gebäude war gegenüber dem Bau von 1939 um etwa ein Drittel verlängert, doch die Raumnot war angesichts steigender Schülerzahlen weiterhin so groß, dass Außenstellen in benachbarten Schulen genutzt werden mussten.
Bereits im April 1950 wurde die Handelslehranstalt um eine neue Schulform bereichert. Mit 28 Schülern und Schülerinnen nahm die erste Klasse der Wirtschaftsoberschule mit 40 Wochenstunden den Unterricht auf. 1955 wurde der bis heute sehr aktive „Verein ehemaliger Schüler der Wirtschaftsoberschule Hildesheim“ gegründet, der bis in unsere Gegenwart das vorrangige Ziel verfolgt, die Verbindung zwischen ehemaligen und gegenwärtigen Schülern und Schülerinnen des Fachgymnasiums Wirtschaft, wie die heutige Bezeichnung lautet, aufrechtzuerhalten.
Eine räumliche Entspannung deutete sich mit dem Richtfest des 1. Gebäudes am 29. Mai 1958 an, nachdem die Stadt Hildesheim zuvor Grundstücke auf dem jetzigen Schulgelände hinzugekauft hatte. Das Gebäude 1, das an der Stelle des Blumschen Hauses errichtet wurde, ist ein eher typischer Funktionsbau der fünfziger Jahre. Im Jahr 1959 verfügte die Schule nunmehr über 25 Klassenräume, 14 Fachräume, Verwaltungsräume, eine Aula und ein Lehrerzimmer. Erst 1976 wurde dann mit dem Bau des dritten Gebäudes begonnen. In einem dieser Fachräume wurde auch Schreibmaschinenunterricht erteilt. Die Handelslehranstalt konnte in dem ersten und zweiten Gebäude nunmehr auch die Wirtschaftspraxis vermitteln, die in der „Zeit des Wirtschaftswunders“ von immer mehr Unternehmen erwartet wurde.
 Die Aufbruchsstimmung der sechziger Jahre erfasste die Schüler-und Lehrerschaft ganz allmählich auch in unserer Schule. Das Erscheinen einer Schülerzeitung mit dem Namen „bilanz“ zeigte bereits im Vorfeld der 68er-Bewegung durchaus veränderte Denk-und Verhaltensmuster. Manche heutigen Alltagsprobleme in der Schule scheinen eine durchaus längere Vorgeschichte zu haben, wie der folgende Auszug aus einem Schülerinterview mit dem Lehrer Dr. Schlums aus dem Jahr 1965 belegen soll:
„Es geht einem Teil der Schüler nicht so sehr darum, dass sie aus der Schule eine möglichst große Summe von Kenntnissen als Vorbereitung für die Arbeit an der Uni mitbringen und als Vorbereitung für den Beruf, sondern mehr darum, dass sie mit nicht allzu großem Aufwand und mit möglichst großem Vergnügen durch diese Jahre hindurch kommen.“
Die Geschichte der Friedrich-List-Schule war und ist stets auch mit der Person des Leiters dieser Schule verbunden. Nach der Pensionierung von Fritz Klein wurde Paul Vortmann 1957 Schulleiter der Handelslehranstalten. Da Vortmann bereits seit 1929 als Lehrkraft der Schule agierte, wird man wohl von einer Kontinuität in der Gestaltung des Schullebens auszugehen haben. Kurt Körber begann 1968 für 17 Jahre seinen Dienst als Schulleiter. In seine Amtszeit fällt auch die Namensgebung unserer Schule, die den Zusatz „Berufsbildende Schule Hildesheim -Handelslehranstalt“ erhielt. Körbers Nachfolger, Frank Schmidt, Schulleiter von 1987 bis 1990, und Hans-Georg Kappler (1992/93) hatten vergleichsweise deutlich kürzere Amtszeiten als Schulleiter aufzuweisen. Frank Schmidt brachte anlässlich seiner Einführung als Schulleiter Grundideen eines handlungsorientierten Unterrichts zum Ausdruck, die später in umfangreichen und grundlegenden Neufassungen von Rahmenrichtlinien und Lehrplänen mündeten. Die neuen Medien begannen unsere Schule zu erobern. Heute können Lernende ihren „Europäischen Computerführerschein“ an der Friedrich-List-Schule erwerben.
Die Bezirksregierung Hannover und der Landkreis Hildesheim, der seit 1975 die Schulträgerschaft von der Stadt Hildesheim übernommen hatte, waren zeitweilig also recht häufig mit Stellenbesetzungsverfahren für Schulleiter an der Friedrich-List-Schule konfrontiert. Immerhin dreimal musste Günther Struck als stellvertretender Schulleiter, zuletzt bis 1995, kommissarisch die Leitung der Schule übernehmen. Für diese Ausdauer und Verkörperung der Kontinuität war ihm die Anerkennung, über das Kollegium hinaus, gewiss. Die Geschicke der Friedrich-List-Schule leitet seit mehr als 10 Jahren Peter Voß, oder mit vollständigem Namen „Peter Bernd Walter Voß“, wie die Schülerzeitung „The LISTener“ im März 1995 herausgefunden hatte. Die Gründung des Fördervereins 1996, die Einführung eines Schullogos 1998 und die Verankerung von Schulpartnerschaften sind mit seiner Person verbunden.
Neue Schulformen, z. B. die Fachoberschule, und ständig steigende Schülerzahlen, sowohl im Vollzeitbereich der Berufsfachschulen als auch in der Teilzeitberufsschule, erforderten in den achtziger Jahren die Nutzung von Dependancen, z. B. unter dem Dach der Werner-von-Siemens-Schule in der Rathausstraße. Mehr als 3000 Schülerinnen und Schüler wurden von etwa 140 Lehrkräften unterrichtet. Die Unterrichtsversorgung lag zeitweise unter 80 %.
Zu Beginn der 90er Jahre bildete sich eine schulische Protestbewegung, die in einer Zeitungsanzeige die Öffentlichkeit über die Raumnot der Schule informierte. Der Landkreis reagierte auf die Raumprobleme der Friedrich-List-Schule mit einem Doppelbeschluss. Einerseits musste die Schule die Verlegung des Berufsfeldes Gesundheit zur Hermann-Nohl-Schule als „bittere Pille schlucken“. Andererseits wurden vom Landkreis Neubau-und Umbaumaßnamen in Auftrag gegeben, die 1996 zu dem vorerst letzten Richtfest der Friedrich-List-Schule führten. Ein neues Foyer, als Pausenhalle genutzt, ein neuer Lehrerbereich und neue Unterrichtsräume im ehemaligen VHS-Gebäude machten die Schule zweifellos auch optisch attraktiver. „Wie eine Kirche im Dorf“, betitelte 1998 die Hildesheimer Allgemeine Zeitung die Fertigstellung des Neubaus zwischen den Gebäuden 1 und 2. Die Raumsituation hatte sich durch diese Maßnahmen erheblich entspannt und das Foyer mit Schulkiosk ist nicht nur für die Schülerschaft das Zentrum dieser Schule geworden.


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